Mystiker
Ein Mystiker ist auf der Suche nach dem Göttlichen, nach dem großen Ganzen, nach dem Ewigen, nach Erleuchtung. Während ein Prophet das Göttliche bereits gefunden hat und sich durch Gott berufen fühlt, dessen Botschaft zu verkünden, sieht sich der Mystiker eher in einem Prozess, der noch von Suche und Interpretation geprägt ist. Sie sind der Auffassung, dass man spirituelle Erfahrungen selbst machen muss, um das Göttliche zu erleben. Wege dahin führen z.B. über die Meditation.
Das Geheimnisumwitterte der Mystik spiegelt sich auch in der Wortherkunft wider. Der Begriff stammt aus dem Griechischen, „mystikós“ bedeutet „geheim(nisvoll)“ und geht vermutlich auf das nicht bezeugte griechische Adjektiv „mystós“ (verschwiegen) zurück. Stammwort ist „mýein“ (sich schließen von Lippen und Augen). Verschlossene Lippen verraten keine Weisheiten, sie bleiben geheim, könnte man daraus ableiten. Das Augen-geschlossen-Halten steht aber auch für „Träumen“, das „andere Sehen“, das „mehr Sehen“, das dann den Blick auf das Göttliche erweitert.
Mystiker gibt es in allen Religionen. Die Tradition reicht von der Antike bis in die Neuzeit hinein, die Blütezeit erlebte Sie jedoch im Mittelalter.
Bekannte Mystiker sind u.a. Hildegard von Bingen (1098 – 1179; Christentum), Meister Eckhart (ca. 1260 bis ca. 1328; Christentum), Fariduddin Attar (ca. 1136 – ca. 1220; Sufismus), Georges I. Gurdjieff (1866 – 1949; Vierter Weg) und Osho (1931 – 1990; Neo-Sannyas-Bewegung; bis 1988 nannte er sich Bhagwan).
